🔥 „Wo zwei oder drei…“ – Ein Vers, der religiöse Macht entlarvt und Grenzen sprengt
Der Satz „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20) wird gern als harmloser Gemeindespruch zitiert. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Dieser Vers ist ein Sprengsatz. Er stellt kirchliche Machtansprüche infrage, widerspricht exklusiven Glaubenssystemen und entlarvt religiöse Kontrolle als menschliche Konstruktion.
⚡ Ein Vers, der religiöse Institutionen überflüssig macht
Der Text behauptet etwas Radikales: Spirituelle Präsenz entsteht nicht durch Kirchengebäude, Priester, Dogmen oder Mitgliedschaft. Sie entsteht im kleinsten Kreis menschlicher Begegnung. Zwei Menschen reichen aus.
Damit entzieht der Vers jeder religiösen Institution den Anspruch, Gatekeeper des Heiligen zu sein. Er sagt: Ihr seid nicht notwendig. Eure Macht ist nicht gottgegeben. Eure Grenzen sind menschengemacht.
Für Institutionen, die über Jahrhunderte definiert haben, wer „drinnen“ und wer „draußen“ ist, ist das eine Zumutung.
🚫 Missverständnis: Der Vers sei exklusiv christlich
Viele Kirchen und Freikirchen behaupten, der Vers gelte nur für Wiedergeborene, Getaufte, Mitglieder oder Menschen, die „richtig glauben“. Doch der Text sagt das nicht. Er spricht nicht von Identität, nicht von Reinheit, nicht von Zugehörigkeit.
Er beschreibt Beziehung, nicht Bekenntnis. Er beschreibt Ausrichtung, nicht Dogma. Und vor allem: Er beschreibt eine Gabe, nicht eine menschliche Leistung.
🌱 Spirituelle Präsenz ist eine Gabe der Schöpfer:in – nicht ein Produkt religiöser Systeme
Spirituelle Tiefe entsteht nicht, weil Menschen sie herstellen. Sie entsteht, weil die Schöpfer:in — verstanden als Ursprung, Quelle, schöpferische Kraft — diesen Zwischenraum erfüllt.
Das bedeutet: Zwei Menschen in einer Kneipe, die über ihre Sehnsüchte sprechen. Ein Gespräch zwischen einer Transfrau und einem Atheisten. Ein Austausch zwischen einem Muslim und einer Person ohne religiöse Bindung. Zwei Menschen, die über Schmerz, Hoffnung oder Sinn reden.
All das kann ein Ort spiritueller Präsenz sein. Nicht, weil Menschen „richtig glauben“. Sondern weil die Schöpfer:in frei schenkt, was Institutionen gern kontrollieren würden.
Der Vers beschreibt keinen exklusiven christlichen Innenraum, sondern einen zwischenmenschlichen Resonanzraum, der durch die Schöpfer:in ermöglicht wird.
🏛️ Traditionelle Kirchen: Gemeinschaft predigen, Kontrolle ausüben
Institutionelle Kirchen haben diesen Vers über Jahrhunderte domestiziert. Sie zitieren ihn gern, aber sie leben ihn selten. Denn der Vers stellt die Frage, die Kirchen am liebsten vermeiden: Wenn spirituelle Tiefe schon im kleinsten Kreis entsteht — wozu braucht es dann eine Institution, die definiert, wer dazugehört?
Die Antwort ist unbequem: Man braucht sie nicht.
🔨 Freikirchen: Protestbewegungen, die selbst zu Kontrollsystemen wurden
Freikirchen berufen sich besonders gern auf diesen Vers. Sie entstanden als Gegenbewegung zu Hierarchie und Dogma. Doch viele von ihnen haben im Laufe der Zeit eigene, oft radikale Machtstrukturen aufgebaut: moralische Vorgaben, soziale Kontrolle, Ausschlussmechanismen, rigide Identitätsdefinitionen.
Was früher rassistische Ausschlüsse waren, zeigt sich heute in anderen Formen: Menschen, die nicht in das vorgegebene Weltbild passen, werden marginalisiert oder ausgeschlossen.
Die Ironie ist bitter: Ein Vers, der Freiheit verheißt, wird genutzt, um neue Grenzen zu ziehen.
✨ Der eigentliche Kern des Verses: Spiritualität ist frei – und nicht exklusiv
Matthäus 18,20 ist kein Vers über christliche Kleingruppen. Er ist ein Vers über die Unverfügbarkeit des Heiligen. Er sagt: Spiritualität ist eine Gabe der Schöpfer:in. Sie ist nicht exklusiv. Sie ist nicht kontrollierbar. Sie ist nicht an Identität gebunden. Sie entsteht dort, wo Menschen sich öffnen.
Damit widerspricht der Vers jeder Form religiöser Exklusion — egal ob in traditionellen Kirchen oder in Freikirchen.
🎯 Fazit: Ein Vers als Stresstest für religiöse Glaubwürdigkeit
Matthäus 18,20 ist ein Prüfstein. Er zeigt, ob eine religiöse Gemeinschaft Beziehung ermöglicht oder Macht ausübt. Ob sie Menschen einlädt oder ausschließt. Ob sie Freiheit fördert oder Kontrolle.
Wer diesen Vers ernst nimmt, muss akzeptieren: Spirituelle Präsenz braucht keine Institution — und erst recht keine, die Menschen ausgrenzt. Sie ist eine Gabe der Schöpfer:in, nicht das Eigentum religiöser Systeme.