Das Öl Prinzip

Jesus erzählt in Matthäus 25 von zehn Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten. Fünf von ihnen sind vorbereitet. Fünf nicht.
Das Interessante ist: Alle werden müde. Alle schlafen ein.
Jesus verurteilt die Müdigkeit nicht.
Der Unterschied liegt woanders: Die einen haben Öl dabei. Die anderen nicht.
Das bedeutet: Wachsamkeit heißt nicht, niemals müde zu werden. Wachsamkeit heißt,
vorbereitet zu sein, bevor die Müdigkeit kommt.
Auch wir kennen solche Momente. Tagsüber sind wir klar. Wir wissen, was richtig ist. Wir wissen, was uns guttut und was uns schadet. Aber am Abend werden wir müde. Unsere Aufmerksamkeit lässt nach. Alte Gewohnheiten melden sich zurück. Ängste werden größer. Bedürfnisse werden lauter. Und manchmal lassen wir uns einfach treiben.
Gerade deshalb ist das Öl wichtig.
Das Öl steht für das, was wir vorbereiten, solange wir wach sind: unsere Entscheidungen, unsere inneren Grenzen, unsere Gebete, unsere Gewohnheiten, unsere Ausrichtung auf Gott.
Wir können nicht darauf vertrauen, im schwächsten Moment plötzlich besonders stark zu sein.
Aber wir können heute dafür sorgen, dass uns etwas trägt, wenn unsere Kraft kleiner wird.
Vielleicht bedeutet Nachfolge deshalb nicht immer:
„Ich muss stärker werden.“
Vielleicht bedeutet sie manchmal:
„Ich muss früher entscheiden.“
Bevor die Angst kommt.
Bevor die Müdigkeit kommt.
Bevor die alte Gewohnheit übernimmt.
Bevor ich mich treiben lasse.
Das Öl wird nicht erst gesucht, wenn die Lampe ausgeht.
Es wird vorher mitgenommen.
Und vielleicht besteht geistliche Wachsamkeit genau darin:
Nicht ständig angespannt zu sein.
Sondern zu wissen, dass wir Menschen müde werden – und deshalb unser Herz rechtzeitig auszurichten.
Was heute bewusst entschieden wird, kann uns morgen tragen, wenn wir nicht mehr dieselbe Kraft haben.
Herr, hilf mir, das Öl nicht erst dann zu suchen, wenn meine Lampe schon erlischt. Gib mir Wachheit, solange ich entscheiden kann, und trage mich durch das, was ich heute in deiner Gegenwart vorbereite.
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